Wie EA mir geholfen hat...

Die Symptome, die uns nach Hilfe suchen liessen, sind unterschiedlich: Depressionen, Ängste, persönliche Beziehungsprobleme oder Schwierigkeiten am, Arbeitsplatz, psychosomatische Beschwerden,... Vielleicht waren wir von Medikamenten, Drogen oder Alkohol abhängig. 

(aus: Blaues Buch)

Mein Weg zur und nun mit EA

 

Vor etlichen Jahren schlug mir mein damaliger, alkoholkranker Freund vor, einmal in die Al-Anon (= Selbsthilfegruppe für Angehörigen von Alkoholkranken) zu gehen. Damals dachte ich: "Naja, er hat mit dem Trinken aufgehört. Dann kann ich ihm ruhig den Gefallen machen, einmal dorthin zu gehen." Aber es blieb nicht bei dem einen Mal. Ich merkte bald, dass ich durch den Alkoholkonsum meines Freundes - und auch den meines Vaters - ich mir ein krankes Verhalten aneignete. Etwa fünf Jahre später fragte mich eine Al-Anon Freundin, ob ich Lust hätte, sie zu einem Jahrestreffen der EA zu begleiten. Naja, da ich eigentlich noch eine recht Unternehmungslustige bin, stimmte ich zu. Ja... eigentlich... weil...  wegen meiner starken Sprachbehinderung hatte ich (und habe es ein wenig noch heute) grosse Angst, an Anlässe zu gehen, an denen man mich nicht kennt. Diese Angst bestand und besteht noch heute darin, dass man mich wegen meiner (Sprach-)Behinderung als geistig stark eingeschränkt anschaut und so behandelt. Tja, und an diesem Treffen bemerkte ich plötzlich, dass diese „EA-Welt“ viel intensiver war und ist als Al-Anon. Hier geht es nicht hauptsächlich um das Alkoholproblems eines anderen, sondern um DEINE EIGENEN Gefühle. Ich bin in einem Elternhaus aufgewachsen, in dem man kaum Gefühle zeigte. Meine Mutter lehrte mich, immer stark zu sein. Einerseits war dies zwar sehr gut, weil ich dadurch trotz Behinderung sehr selbständig wurde. Anderseits bemerkte ich damals an diesem Treffen: Uff, ich spüre mich gar nicht richtig und akzeptiere meine Behinderung doch nicht zu 100%. Denn ich habe grosse Angst vor Nähe, obwohl ich mich nach ihr sehnte. Ich habe Angst, dass es die Menschen anekelt, mich zu umarmen. Ich war richtig überfordert, als ich sah, wie sich dort langjährige Freunde innig umarmten.

Ein Teil in mir schrie: „Ich will auch, ich will auch“. Der anderer Teil in mir schrie jedoch in gleicher Lautstärke: „Halt, komm mir nicht zu nahe, ich bin behindert“. Ein anderes Ereignis, welches mir neu war, war die Tatsache, dass auch die Männer Gefühle haben, mit denen sie nicht immer klar kommen und auch mit uns Frauen teilen möchten. Und, dass AUCH Männer weinen. Ich lernte in EA eine ganz andere Welt kennen, eine Welt in welcher die Gefühle leben dürfen. In EA lernte ich noch verstärkt, MICH SELBER kennen.

Ich lernte zu realisieren:

  • wie ich in gewissen Situationen reagiere
  • ein wieder krankes Verhalten zu erkennen und zu versuchen mit dem EA-Programm gegen zu steuern
  • und dankdem ich mich nun besser kenne, kann ich mich besser in anderen versetzen; besser mit ihnen mitfühlen, ohne mitzuleiden

EA mir ein sehr wertvolles Geschenk ist, dessen Inhalt ich nicht mehr missen möchte:

  •  die Einsicht, dass meine Behinderung keine Strafe ist, sondern eine wunderbare Aufgabe, den Mitmenschen zu zeigen wie gut auch ich mein Leben leben darf und kann
  • die Einsicht, dass es nicht an mir liegt, wenn jemand mit meiner Behinderung nicht  klar kommt, sondern an ihm selber, weil er irgendwie mit sich selbst nicht klar kommt (Angst, Hemmung etc. vor dem Unbekannten)
  •  die Einsicht, dass alle irgendeine Behinderung haben und ich gar nicht „aus dem Rahmen falle“
  •  und besonders ich MICH SELBST als liebenswertes Wesen mit all seinem Gefühlen annehmen und lieben darf

 

In diesen Jahren habe ich sehr viel über mich gelernt. Vielleicht fragen sich einige, ob man nun für immer zur EA gehen muss. Dies kann ich nur für mich selbst entscheiden. Es wird immer wieder Zeiten geben, in welchen ich zwar EA weniger benötige. Aber, um mein gesunde Verhalten und das richtige Wahrnehmen meiner Gefühle beibehalten zu können wird EA mein ständiger Begleiter sein. Dort bin ich immer willkommen, auch wenn ich wieder einmal mit meinen Gefühlen nicht klar komme. Denn ich weiss, ich darf dort mein Gefühle ausleben, weil sie von niemandem als gut oder schlecht deklariert werden. Und einen solchen Ort  nenne ich ein Zuhause!

Anonym

 


Wie EA mir hilft - heute und wie es mir geholfen hat...

 

Ich besuche die EA nun seit etwas mehr als zwei Jahren. Am Anfang gibt es in unserer Gruppe jeweils eine Befindlichkeits-Runde, wo jeder das sagen darf, was ihm wichtig ist in dem Moment...wo er gerade steht...oder was er auf dem Herzen hat...ich kann alles teilen, was mich bewegt...Schönes oder Schwieriges...was gerade dran ist bei mir...

 

Manchmal geht es mir gut und ich kann Freude und Positives mitteilen und mit den anderen teilen. Ich kann meine Dankbarkeit ausdrücken und den anderen Kraft und Hoffnung geben. (Deswegen gehe ich auch in die Selbsthilfe-Gruppe, wenn es mir gut geht und nicht nur dann, wenn es mir schlecht geht...) Es ist ein für einander da sein. So spüre ich das. Und wenn ich über das Gute spreche, wenn es mir gut geht, dann wird es mir noch bewusster und verankert sich in meinem Gehirn viel besser.

 

 Ja und manchmal sind da Probleme in meinem Leben. Davon gab es viele und gibt es immer noch einige, aber die guten Tage sind einiges mehr als die nicht guten. Und im 2013 und 2014 war bei mir kein einziger Tag wirklich schön gewesen. Ich hatte grosse Ängste und Depressionen und unverarbeitete, ungesehene Trauer. All diese unangenehmen Dinge kann ich nun immer besser lösen. Ich bin nicht mehr am selben Punkt wie vor drei, vier Jahren. Massgeblich helfen mir auch die vielseitigen Werkzeuge, die ich in EA mitbekomme.

 

Die Befindlichkeits-Runde am Anfang des Meetings hilft mir, mir meiner Probleme erst richtig bewusst zu werden, sie zu benennen, also das, was nur vage als unangenehmes Gefühl in mir nagte, in klaren Worten zu formulieren - sie laut auszusprechen. Sich selber sprechen zu hören tut mir ganz gut. Es gibt mir Klarheit, was eigentlich in mir drinnen los ist. Ich kann ordnen und einordnen. Das kann mir schon sehr viel helfen darüber zu reden, was mich bedrückt und mir Angst macht. Ganz wichtig für mich ist, dabei gehört zu werden von ganz vielen mitfühlenden Ohren und dann nach Lösungen zu suchen. Selbst - oder von anderen zu hören wie sie damit umgehen oder wie sie dieselben Probleme lösten in ihrem Leben. In der Selbsthilfe-Gruppe gibt es immer wieder, dass ein anderes Mitglied der Gruppe dasselbe Problem auch mal hatte und selber für sich eine gute Lösung gefunden hat. Zum Beispiel der Umgang mit Wut. Ein Beispiel: Ich erzähle von meiner Wut. Jeder erzählt von sich selbst. Wir diskutieren nicht und hören nur zu und lassen das Gehörte so stehen. Ich erzähle also von einem spezifischen Vorfall, einem Erlebnis, oder allgemein von meiner. Ich bin nicht allein damit. Anderen geht es auch so oder ähnlich. Und dann im Besten Fall erzählt jemand oder in einem späteren Meeting in Form eines Erlebnisses oder ganz konkreten Schritten wie er einen Weg gefunden hat, mit seiner Wut besser umzugehen, oder diese in etwas Positives, eine Veränderung umwandeln konnte. Das ist für mich EA und so etwas erlebe ich immer wieder in den Meetings. Ich konnte bisher noch jedes Mal etwas für mich mitnehmen. Manchmal greift auch niemand mein Thema „Wut“ auf  im laufenden Meeting. Ich bekam vielleicht nicht immer gleich sofort eine fix fertige Antwort. Aber im Verlauf der vielen besuchten Meetings habe ich dann immer wieder mal etwas gehört über das Thema „Wut“ und so geht es mir auch mit meinen anderen Themen wie der „Angst“ die mich lange Zeit gelähmt hat. Dadurch, dass ich dran geblieben bin und jedes nur mögliche Meeting besucht habe in den letzten zwei Jahren ist für mich ein grosser Erfahrungs-Schatz zusammen gekommen wie ich besser mit meinen Problemen umgehen kann und was mir hilft. Ja, meine Erfahrung ist, dass darüber reden mir sehr viel hilft. Denn ich war einmal ein sehr schüchternes und eher introvertiertes Menschenkind. Und „gehört werden“ ist für mich ein erster wichtiger Schritt zur Heilung. Dieser Schritt selbst beinhaltet schon einen grossen Teil der Heilung für mich. Denn „gehört werden“ ist für mich ein Ur-Bedürfnis.

Ich empfinde es als ein riesengrosses Geschenk, dass mir so viele Ohren-Paare zuhören. Nur mir. Für einmal bin ich wichtig. Darf ich sein wie ich bin und werde gehört. Als Kind hat mir das sehr gefehlt. Ich musste immer mitlaufen und funktionieren und niemand hatte wirklich Zeit für mich. Obwohl meine Eltern es sehr gut mit mir meinten. Sie waren selbst oft überfordert und hatten wenig Zeit für mich. Darum ist dieses gehört werden so wichtig für mich. Ich spüre immer ganz grosse Annahme, wenn ich in der Gruppe rede.

Wir melden uns immer mit dem Namen, wenn wir im Meeting reden möchten. Es bringt einen gewissen Ablauf ins Meeting, aber für mich ist es noch viel mehr. Das war für mich ein ganz wunderbares, heilsames Erlebnis in den ersten Meetings zu sagen: „Ich bin Myriam“ Und alle sagten zu mir: „Hallo Myriam“. Noch heute fällt es mir manchmal schwer, diesen Raum einzunehmen. Aber ich bin am Üben und es geht immer besser dank der liebevollen Annahme in der Gruppe und der positiven Rückmeldungen. Alleine dieses kleine 12-Schritte-Ritual, das so unscheinbar wirkt, oder ein wenig seltsam für jemanden, der neu in der Gruppe ist, hat für mich eine ganz grosse, heilsame Kraft inne.

 

Heute „suche ich das Gute“ wenn ich in die EA komme – ich blicke auf den Tag oder die Woche zurück, wenn ich im Meeting sitze und schaue auf  DAS zurück, was hilft oder geholfen hat - schwierige Situationen im Alltag zu minimieren. Ich erzähle, wo ich etwas gut gemeistert habe und wie mir das gelungen ist. Ja, diese Art zu denken wurde in den zwei Jahren EA immer mehr bei mir und es hilft mir sehr, hoffnungsvoll zu sein, weil ich das benenne, was hilft und so werde ich auch aufmerksamer für die kleinen positiven Veränderungen in meinem Leben und meine Werkzeuge werden mit jedem mal wirkungsvoller. Ich benutze sie. Aber, wenn es mir mal ganz schlecht geht, dann kann ich trotzdem oder erst recht so kommen wie ich bin und darf von meinen negativen Gefühlen erzählen - ohne mich zu schämen dafür. Vor allem ganz am Anfang, als es mir sehr schlecht ging, als ich in die ersten Meetings kam. Da habe ich geklagt und erzählt, was für mich alles so schlimm und unaushaltbar war. Dann wurde das von der Gruppe getragen. Ja, so habe ich das erlebt. Denn nie geht es allen in der Gruppe schlecht. Das ist das besondere an einer Gruppe. Das ist für mich das besondere und heilsame von Gemeinschaft, dass die Gruppe jemanden tragen kann ein Stück weit, wenn es ihm mal schlecht geht. Als Gruppe hat man mehr Kraft. Einer weiss immer eine eigene Erfahrung und teilt Mut, Kraft und Hoffnung. So habe ich das in EA erlebt. Danke. Für mich stimmt der EA Spruch: „Du bist nicht allein“ und „Ich brauche Menschen“.

 

Was mich persönlich noch anspricht an EA, welches ja das 12-Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker übernommen hat, ist die Tatsache, dass es ein Ort ist, wo ich auch über meinen Glauben sprechen kann und über meine Glaubensfragen. Jeder darf von sich erzählen, wo er steht und wie es ihm geht, aber wir hören nur zu und urteilen und diskutieren nicht, auch nicht über Glaubens- oder Religionsfragen, auch nicht über Politische Meinungen. Jeder darf seine Meinung haben. So gibt es auch keinen Unfrieden und das schätze ich sehr an EA. Keiner sagt dem andern, was er zu glauben hat. Denn da habe ich schlechte Erfahrungen gemacht in meinem Leben, dass es nur so geht oder so. Aber in EA hat jede Weltanschauung Platz und jede Form von Glaube oder Nichtglaube. Ja, auch Zweifeln war mir erlaubt. So habe ich das erlebt und das war sehr wohltuend und heilsam für mich.

 

Allein darüber sprechen zu können, sogar ohne direktes Feedback, ist für mich sehr hilfreich gewesen, um meinen eigenen Zugang besser zu finden.

Mein Glaube, Spiritualität oder „Gott wie ich ihn verstehe“ darf in EA sein und es tut mir gut, von anderen zu hören, wo und wie sie unterwegs sind. Auch wenn dieses individuelle Erleben ganz anders sein mag. So hilft es mir doch, meinen Geist offen zu bewahren, es fördert meine Akzeptanz andersdenkenden Menschen gegenüber und ich finde auch viel Gemeinsamkeiten und höre oft auch viele Dinge, die für mich stimmig sind. Und was nicht stimmig ist lasse ich im Meetings-Raum, wenn ich heimgehe.

 

Früher, bevor ich EA kannte, war ich praktisch alleine unterwegs in meiner Suche nach Spiritualität und Glaube. Für mich persönlich war das nicht gut gewesen. Ich verrannte mich. Allein die Tatsache, dass ich von meinem Weg erzählen kann und die Tatsache, dass auch ab und zu etwas von anderen durchschimmert, über das Thema „Glaube und Spiritualität“ hilft mir sehr. Ich fühle mich besser geerdet.

 

Sehr hilfreich empfinde ich auch die Literatur. Darin wurden die hilfreichen Gedanken aus vielen Jahren Selbsthilfe-Gruppe zusammen getragen. Meistens spricht es mich sehr an. Ab und zu auch mal nicht so. Das ist auch in Ordnung. Manchmal braucht es auch einfach Zeit, man muss ja nicht gleich alles auf einmal verstehen. Und ich darf wirklich das nehmen, was mir gut tut und damit arbeiten in meinem Leben. Ja, es ist schon Arbeit...aber gute Arbeit. Es gibt ein paar wunderbare Dinge in der Literatur, die mich sehr viel weiter gebracht haben, wie u.a. der Satz: „Nur für Heute“ oder „Heute sehe ich so gut aus, wie ich nur kann“, oder der Text: „Achte gut auf diesen Tag, denn er ist das Leben.“ aus dem Sanskrit.

 

Ich danke Euch fürs zuhören.

Anonym